Die Slovakische Schwarzwildbracke

Nachfolgend wird die Slowakische Schwarzwildbracke (Slovenský Kopov), auch genannt „Kopov“ „Billy vom Zerweliner Forst“ genannt „Willi“ unseres Vereinsmitgliedes Guido Andres vorgestellt.


Die Schwarzwildbracke gehört zu den ältesten, wenn auch weitgehend unbekannten Rassen in Europa. Der Ursprung liegt z. T. noch im Dunkeln. Als Urahnen dieser Hunde gelten die Keltenbracken und die Bracken der Skythen (ca. 400 nach Christus). Später vermischten sie sich wahrscheinlich auch mit österreichischen Bracken und mit ungarischen und polnischen Windhunden. So entstand ein an die Jagd in der Bergregion angepasster Laufhund. Die Kopovs oder ähnlich aussehenden Hunde waren von der Tatra bis in den Karpatenbogen verbreitet. In der Slowakei etablierte sich ein niederläufiger Schlag in den Berggebieten. Diese Bracken waren zunächst zuverlässige Wächter von Haus und Hof und Hunde der einfachen Leute. Die finanziell besser gestellten Pächter und Besitzer der wildreichen Gebiete führten zumeist Hunde, die hauptsächlich aus Deutschland kamen. In den Ebenen Ungarns, des Banats bis ins Burgenland wurden höhere Schläge gezüchtet, so beispielsweise die Transsilvanische Bracke mit 56 - 66 cm Stockmaß. Das Aussehen der ersten Kopovs war noch sehr uneinheitlich. Es wurde zunächst mehr Wert auf Gebrauchseigenschaften wie Ausdauer, Schnelligkeit und Wildschärfe gelegt.


Nach dem 1. Weltkrieg organisierte sich die slowakische Jagdkynologie.[1] Die erste Zuchtschau fand 1936 in Banska Bystrica/Slowakai mit dem Ziel statt, geeignete Hunde für eine kontrollierte Zucht auszusuchen. Dies war der Beginn der kontrollierten Reinzucht des Slovenský Kopov (slowakischer Laufhund). 1940 erstellte man den ersten Rassestandard. Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierten sich Jäger aus dem Bereich Slowakei und Tschechien, um die vorhandenen Hunde in eine Reinzucht zu führen. Ziel war die Zucht eines robusten, orientierungssicheren Jagdhundes für die Jagd auf Schwarz- und Raubwild in schwierigem Gelände. Es waren hauptsächlich begeisterte Züchter der Mittelslowakei und der Spis-Region, welche die Rasse in ihrer Form und Leistung verbesserten. So konsolidierte sich der heutige Typ, der zum Standard erhoben wurde. Seit 1963 ist der Kopov bei der FCI[2] unter der deutschen Bezeichnung „Slowakische Schwarzwildbracke“ registriert. Der Kopov ist in der Slowakei eine hoch geschätzte „Nationalrasse“. In Deutschland war der Kopov zunächst nur in der DDR bekannt. In Westdeutschland etablierte er sich erst nach der Wiedervereinigung ab 1989.


Die Slowakische Schwarzwildbracke („Slovensky Kopov“) hat einen leichten Körperbau von einer länglichen Rechteckform. Menschen, die diese Rasse nicht kennen verwechseln den Kopov auch gerne mit einem Dobermann-Mischling. Die Ähnlichkeit begründet sich auf den leichten und hochbeinigen Bau, der Farbe des kurzhaarigen Fells, das in der Regel schwarz mit mahagonifarbenem bis rotem Brand oder Abzeichen ist. Verwandt sind die beiden Rassen aber trotzdem nicht.


Der Kopf der Schwarzwildbracke ist länglich und ebenfalls rechteckig geformt, mit einem am Scheitel flach gewölbten Schädel. Augenbogen und Stirnfurche sind deutlich, das Hinterhauptbein ist fühlbar. Der feste Fang hat keine überhängenden, sondern anliegende, dünne Lefzen (Maulwinkel). Der Nasenrücken ist gerade und dem Schädel entsprechend lang und nicht zu breit. Die stets schwarze Nase läuft mäßig zu. Sie hat mäßig geöffnete Nasenlöcher. Die ovalen Pfoten haben gut gewölbte und geschlossene Zehen, schwarze und kräftige Krallen und gut entwickelte schwarze Ballen.


Das Stockmaß beträgt beim Rüden 45 bis 50 cm, bei der Hündin 40 bis 45 cm. Das Körgewicht liegt zwischen 15 und 20 kg. Die Behaarung ist in der Farbe Schwarz mit mahagonifarbenen bis braunen Abzeichen an den Läufen. Das Haar ist 2 bis 5 cm lang, mittelmäßig derb, anliegend und dicht; an Rücken, Hals und Rute länger. Die dichte Unterwolle, besonders im Winter, darf auch im Sommer nicht fehlen. Die Ohren sind oberhalb der Augenlinie angesetzt, am Kopf flach anliegend, unten abgerundet, mittellang, schwarz mit braunen bis mahagonifarbenen Abzeichen.


Die tief angesetzte Rute reicht bis zum Sprunggelenk herab und wird in Ruhe herabhängend, bei Erregung säbelförmig aufwärts gebogen getragen. Die muskulöse Vorderhand hat ein gut entwickeltes Schulterblatt mit vertikal gestellten, trockenen Läufen und etwas schräg gestelltem Vordermittelfuß, die gut bemuskelte Hinterhand breite Oberschenkel und Läufe.


Die Slowakische Schwarzwildbracke ist ein sehr lebhafter Hund mit einem besonders temperamentvollen Wesen. Sie ist ausgesprochen agil und intelligent. Trotz dieser auffälligen Charakterzüge ist der Hund bei einer sorgsamen Erziehung ruhig, nervenstark und gehorsam. Generell ist sehr viel Einfühlungsvermögen nötig, um bei diesen Hunden ein gutes Vertrauensverhältnis aufzubauen. Erst wenn dies gegeben ist, kann und wird ein Kopov seine positiven Eigenschaften voll entfalten. Von diesem Hund als Oberhaupt akzeptiert zu werden ist allerdings eine echte Herausforderung. Aber es ist nicht die einzige: Verhält sich eine Schwarzwildbracke stur, darf sie nie hart angefasst werden, denn dies kann zur totalen Arbeitsverweigerung führen. Man muss den Slovensky Kopov also zu nehmen wissen.


Aufgrund seiner Charaktereigenschaften stellt der Slovenský Kopov hohe Herausforderungen an sein Umfeld und erfordert eine angemessene Haltung. Der Jagdtrieb ist so stark, dass er diesem bei unzureichender jagdlicher Beschäftigung auch ohne den Besitzer nachgeht. Daher gehört er nur in die Hände von aktiven Jägern, die ihm die notwendigen Umstände bieten können, die zu einer artgerechten Haltung dringend notwendig sind. Auch eine gewisse Erfahrung in der Ausbildung und im Umgang mit Hunden sollte der Besitzer haben, da der Kopov aufgrund seiner hohen Intelligenz, frechen und teilweise starrköpfigen Art stets seine Grenzen austestet. Er ist daher ein Hund, der aufgrund seiner eigensinnigen, selbständigen Arbeitsweise nicht zu den leichtführigsten Rassen gehört. Schon als Junghund fordert er seinen Führer mit Eigensinn und Sturköpfigkeit. Er weiß genau Situationen einzuschätzen und Entscheidungen selbstständig zu treffen. Schon als „Teenager“, d. h. als junger Hund, fordert er seinen Besitzer mit Frechheit und Sturköpfigkeit heraus und testet, wie weit er gehen kann. Der Slovensky Kopov ist ein sehr intelligenter Hund, der Menschen schnell durchschaut und dadurch für unerfahrene Hundehalter absolut nicht zu empfehlen ist. Was für den Jäger eine große Freude ist, ist für den durchschnittlichen Hundehalter eine Katastrophe: Der Kopov geht seinem sehr starken Jagdtrieb nach, notfalls auch ohne seinen Besitzer! Er ist für Nichtjäger kaum zu beherrschen und gehört definitiv nur in Jäger- und keinesfalls in Anfängerhände. Aus diesem Grund werden diese Hunde von den Züchtern nur an Jäger abgegeben, die über ein entsprechendes jagdliches Umfeld verfügen. Um die Charaktereigenschaften eines Kopov zu beherrschen, braucht es im Ergebnis eine ruhige, einfühlsame, bedürfnisgerechte und erfahrene Hand eines ausgebildeten Jägers. Nur bei entsprechend professioneller Erziehung kann der Kopov sein volles Potenzial ausschöpfen.


Er ist dann ein großartiger Helfer bei Drückjagden auf alles Schalen- und Raubwild und leistet bei entsprechender Einarbeitung auch auf der Wundfährte, d. h. bei Nachsuchen Hervorragendes. Im Ergebnis sind die hübschen Vierbeiner beim Stöbern, Zutreiben und bei der Nachsuche insgesamt sehr erfolgreich.


Der Kopov ist für eine sehr selbstständige Arbeitsweise bekannt und dabei äußerst wendig und ausdauernd. Er gehört zu den besten Laufhunden seiner Klasse. Mit einer unglaublichen Ausdauer und Selbstständigkeit stöbert er stundenlang und selbstständig, selbst im unwegsamen Gelände und bei widrigen Wetterbedingungen, stets zuverlässig. Besonders auf der Schwarzwildjagd erweist er sich als hervorragender Helfer und gewährleistet optimale Voraussetzungen für den Jagderfolg. In seinem Heimatland Slowakei wird er meist auf Schwarzwild spezialisiert, was ihm in Deutschland den Namen „Schwarzwildbracke“ eingebracht hat.


Dem Kopov kommt hierbei auch sein besonders guter Orientierungssinn zu Gute: Selbst nach langen Drück- und Stöberjagden findet er meist problemlos zum Ausgangspunkt der Jagd zurück. Dem Slovensky Kopov ist dies angewölft (d. h. angeboren). Sollten Sie also jemals mit einem Kopov spazieren gehen und ihn verlieren: warten Sie einfach an dem Punkt, an dem Sie den Hund das letzte Mal gesehen haben. Er kommt garantiert zurück. Es kann allerdings etliche Stunden dauern.


Die „Schweinebracken“ besitzen einen extremen und sehr ausgeprägten Jagdtrieb. Auf der Spur oder Fährte jagen sie laut, verstummen sofort, wenn sie abkommen, um nach dem Wiederfinden erneut laut zu werden. Sie zeigen ihre Vorzüge in großen Dickungen, Maisschlägen, niederen Schneelagen und bergigem Gelände.


Hartnäckiger Fährtenwille, Findigkeit, Fährtenlaut und Wildschärfe zählen zu den absolut positiven Eigenschaften der Rasse. Wasser- und Apportierarbeit, aber auch Buschieren auf Niederwild sind hingegen nicht seine Sache und sollten auch nicht von ihm verlangt werden.


Wie die meisten Jagdhunde hat auch dieser ein ruhiges und festes Wesen. Gegenüber Kindern verhält er sich für gewöhnlich liebevoll und duldsam. Bei all ihrem Temperament sind diese Hunde sehr anhänglich. Sie sind sehr treu und gerne auf Schritt und Tritt mit dem Jäger zusammen.


Betreut und gezüchtet wird die Rasse in Deutschland vom Schwarzwildbrackenverein e.V. (http://www.schwarzwildbracke.de/). Der SBV e. V. ist Mitglied im JGHV[3], im VDH und FCI. Er wird im FCI klassifiziert in der Gruppe 6, d. h. Lauf-, Schweißhunde und verwandte Rassen. Er gehört zudem zur Sektion 1.2, d. h. zu den mittelgroßen Laufhunden.


Im Ergebnis ist zu konstatieren, dass der „Slovenský kopov“ bei entsprechender artgerechter Haltung und Erziehung ein Jagdhund ist, der ein enges Vertrauensverhältnis zu seinem Besitzer aufbaut und sich besonders bei der Schwarzwildjagd als perfekter Begleiter erweist.


Guido Andres hat einen Begehungsschein des Forstamtes Köpenick im „Revier Teufelssee.“ Da „Jagd ohne Hund“ Schund ist, hat er 2017 (Wurftag: 14.07.2017) seinen Hund Willi von einem Züchter aus Boitzenburg/Brandenburg erworben. Der junge Kopov Willi hat mit seinem Herrchen die Welpenschule des Jagdhundegebrauchsvereins Königs Wusterhausen e. V.[4] besucht und in diesem Rahmen auch mit sehr großem Erfolg eine Ausbildung gem. „Kompetenzzentrum Schwarzwildgatter zur Verhaltensanpassung von Hunden zur Schwarzwildjagd“ nach dem „Zehdenicker Modell“ bei dem Tierarzt Prof. Dr. Wunderlich, dem ehemaligen Präsident des Jagdhundverbandes der DDR, persönlich durchlaufen. [5]


Durch Prüfung am 21.10.2018 wurde die Brauchbarkeit von Willi nach der Verordnung über die Feststellung der Brauchbarkeit von Jagdgebrauchshunden in Brandenburg (JagdHBV) vom 14.09.2005, amtlich bestätigt. Entsprechend ist durch die sog. GreenCard nachgewiesen, dass er für die Nachsuche auf Schalenwild und auf Drück- und Treibjagden auf Schalenwild und Raubwild jagdlich brauch- und damit einsetzbar ist. Entsprechend der Prüfungsergebnisse ist Willi auf der Liste der verfügbaren Hunde für Nachsuchen im Bereich des Forstamtes Köpenick enthalten und steht für Nachsuchen bereit. Darüber hinaus wird er künftig im gesamten Stadtgebiet Berlin für Nachsuchen, z. B. nach Verkehrsunfällen, sog. ASOG – Einsätze (Einsätze gem. Allgemeines Gesetz zum Schutz der öffentlichen Ordnung in Berlin) als Schweißhund eingesetzt. Darüber hinaus steht Willi auch für Nachsuchen im Bereich der „Jagdgenossenschaft Gosener Wiesen“ bereit.


Willi war bereits bei Drückjagden in Brandenburg, im Zuständigkeitsbereich der Landeswaldoberförstereien in Hangelsberg und Hammer, bei Drückjagden im Einsatz. In diesem Jahr sind zudem Einsätze bei den Berliner Forsten, im Bereich des Forstamtes Pankow, d.h. in Gorin und Bogensee geplant.


Da Willi die Anlagenprüfungen des Schwarzwildbrackenvereins e. V. mit guten bis sehr guten Noten in den Bereichen Stöbern und Verhalten am Schwarzwild, Wesenstest, (Hasen-) Spurarbeit und Schussfestigkeit bestanden hat, wird er nach ärztlicher Untersuchung und Ausstellung am 30.06.2019 ggf. auch als Zuchtrüde für den Schwarzwildbrackenverein e. V. eingesetzt.


In naher Zukunft sind für Willi weitere Schweißprüfungen (Vereinsinterne Prüfung auf der Kunstfährte des SBV e. V., sowie Leistungszeichen „Natur“ gemäß § 11 Schweiß-Natur: anlässlich einer Nachsuche nach den Bestimmungen der VswPO Schwarzwild-Natur: anlässlich einer Nachsuche oder im Rahmen der praktischen Jagdausübung) vorgesehen.


[1] Kynologie ist die Lehre von der Zucht, Dressur und den Krankheiten der Hunde

[2] FCI ist die Abkürzung für Fédération Cynologique Internationale, den größte kynologischen Dachverband. Die Kynologie ist die Lehre von Rassen und der Zucht von Haushunden. Das bedeutet, dass die Institution eine Rassenbeschreibung festlegt, die auf den Hund zutreffen muss.

[3] Der Jagdgebrauchshundverband fasst als Dachverband für das gesamte deutsche Jagdgebrauchshundwesen Vereine zusammen, die durch Prüfung, Zucht und Ausbildungstätigkeit zur Bereitstellung brauchbarer Jagdhunde beitragen und damit satzungsgemäß das waidgerechte Jagen unterstützen.

[4] https://www.jgv-kwh.de/ bzw. https://www.jgv-kwh.de/Welpengruppe.htm

[5] http://jgv-ohv-um.de/images/pdf/standortbestimmung.pdf

 

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